Überführungstörn 18. bis 26. April 2003 (Katharina Seidl)

Was bedeutet eigentlich Überführungstörn?
Der Heimathafen der Skylge ist das am IJsselmeer gelegene Enkhuizen. Im Winter liegt sie hier und wird für das neue Jahr fit gemacht.
In der Saison jedoch veranstaltet die Skylge von Kiel aus Törns auf die Ostsee. Deshalb muss im April eine Überführung nach Kiel und im Oktober eine nach Enkhuizen stattfinden.
Dabei geht es je nach Wetterlage über das IJsselmeer, die Nordsee und durch den Nord-Ostsee-Kanal oder umgekehrt.
Mitfahren kann jeder, auch ohne jegliche Vorkenntnisse. Einzige Bedingung ist Lust auf Segeln zu haben und das ist nun wirklich nicht schwer.

Am Abend des 18.4.03 trafen wir uns an Bord der Skylge, acht Mitsegler (Brigitte, Christian, Dieter, Ute, Liv, Peter, Rosie, Katharina), zwei Steuerfrauen (Tine, Marjolein) und Fokko, der Skipper.......... und wie immer war es ein bunter Mix aus jung und junggebliebenen, aus Niederländern und Deutschen.

Nach einem guten Essen hielt Fokko seine traditionelle Antrittsrede, in der er uns das Leben an Bord näher brachte und uns Infos zum weiteren Geschehen gab.

Der Wind wehte leider aus der völlig falschen Richtung -nämlich OST- und blies dazu noch sehr heftig, so dass es sinnvoller erschien bis nach Stavoren zu segeln und dann das erste Stück durch die Friesaländischen Kanäle zu fahren.
Ehe es am Freitag schließlich losging, wurde zuvor noch ein ganzer Lebensmittelladen in Enkhuizen von uns aufgekauft.

Zu Beginn war unseren Neuseglern noch etwas mulmig zumute, aber alle zusammen meisterten diesen tollen Segeltag mit Bravour. Die Wenden klappten ohne Probleme und so waren wir schon am ersten Tag ein eingespieltes Team.

In den Kanälen mussten wir dann unsere Fenderkünste beweisen, weil sie selbst und erst recht ihre unzähligen Brücken sehr schmal sind. Nach jeder Brückendurchquerung war lautes Aufatmen, über das Schiff hinweg zu vernehmen. Rechts sowie links war teilweise nur ca. 15cm Platz -das Adrenalin stieg und fiel also ständig und einige von uns wissen nun auch ganz genau, was es heißt mit dem Fender zu laufen.

Die Fahrt durch das Friesland hatte seine ganz eigene Faszination. Die Landschaft strahlt viel Ruhe aus und man konnte zwischen den grünen Wiesen überall weiße Segel beobachten, die sich genau wie wir durch die Kanäle schoben, bis auf den Unterschied, dass wir per Motor unterwegs waren.
Am Abend wollte Fokko uns eine ganz besondere Freude bereiten und machte deshalb am Ufer des Dörfchens Schuilenburg fest -genau gegenüber eines wunderschönen Betonwerkes.

Dieses Örtchen war noch nicht mal Christian bekannt, der schon seit ca.15 Jahren auf der Skylge mitsegelt und auch bei zahlreichen Überfahrten dabei war. Und weil wir wohl doch alle sehr erstaunt aussahen, warum wir ausgerechnet hier die Nacht verbringen wollten, klärte uns Fokko über die Situation auf... Die nächste Brücke war leider außer Betrieb, was bedeutete, dass dieser Kanal eine Sackgasse war.

Wir genossen den Abend am Betonwerk dann desto mehr und freuten uns auf die Rückfahrt am darauffolgenden Tag zum nächsten Abzweig. Jetzt konnten wir uns auch erklären, warum uns die Leute am Kanal alle so komisch angeschaut hatten. Aber jeder von uns war froh, Schuilenburg (zwölf Häuser, kein öffentliches Telefon, eine Karaokeparty) kennengelernt zu haben.

Die weitere Kanalfahrt wurde bestimmt von Sommerwetter, schönen Windmühlen (in nächster Nähe-DANKE Fokko), vielen Kühen und Schafen und einem zerquetschten Paddelboot.

Ab Lauwersoog (unterhalb von der Insel Schiermonnikoog) erwartete uns frische Nordsseeluft und zum Glück auch Wind aus westlichen Richtungen. Diesen galt es auszunutzen und daher wurde der Entschluss gefällt die Nacht durchzusegeln.

Wir hielten in zwei Gruppen jeweils vier Stunden Wache. Für jeden war die Nachtfahrt aufregend und etwas ganz besonderes.

Dieter hat sie wie folgt beschrieben:
Unvergessliches Erlebnis des Überführungstörns: die Strecke vor den West-und Ostfriesischen Inseln als Nachtfahrt Beginnend mit einem wundervollen Sonnenuntergang, dem Wegdämmern des Abends, dem Einbrechen der Nacht mit einem funkelnden Sternenhimmel, in den sich gegen 4:00Uhr früh der abnehmende Mond schlich, dem hellerwerdenden Osthimmel aus dem die Sonne leuchtend aufstieg und den wunderschönen neuen Tag ankündigte. Und alles begleitet vom gleichmäßigen Klang, der an die Schiffswand schlagenden Wellen und dem Geräusch des Windes in den Segeln. Dankbar muss man sein, das erlebt zu haben.

Nachmittags passierten wir natürlich wieder bei wundervollen Sonnenschein die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel, in der ein schicker Katamaran mit fünf netten Herren an Bord aus Gibraltar an unsere Seite festmachte, welche besonders unsere Ute in ihren Bann nahmen. Aber laut ihrer Aussage interessierte sie sich ausschließlich für das schöne Schiff.........na, klar!

Am nächsten Tag durchfuhren wir in neun Stunden den NOK und hielten auch hier wieder eine praktische Tradition ein: Deckschrubben stand auf dem Programm.
Es brauchte ein bisschen Übung bis jeder es schaffte seine Pütz bei Fahrt mit Wasser zu füllen, ohne dabei selbst mit über Bord zu gehen. Doch nach einer Stunde strahlte das Schiff und wir vor Begeisterung ebenso -Putzen kann also doch Spaß machen.

Am Donnerstag abend erreichten wir Kiel. Aber da uns noch bis Samstag Zeit blieb und unsere Segellaune ungebändigt war verkündete Fokko, dass wir noch einen kleinen Ausflug nach Dänemark machen könnten.

Bei herrlichem Wetter stachen wir am nächsten Morgen in See und genossen zwei super Tage mit viel Wind, Sonne und Schaukelei-einfach herrlich!

Und da ich mich jetzt genug ausgelassen habe, sind jetzt meine Mitsegler mit ihren Künsten an der Reihe:

Ute:
Für mich ist es ein wenig back to the roots und Neubeginn. So viele neue, elementare Eindrücke wollen erst reflektiert werden. Die Zeit an Bord hat ein eindrucksvolles Gefühl hinterlassen, mit Menschen, die zunächst fremd und um so vertrauter wurden. Eine positive Erfahrung, dass jeder einzelne erst im Team sein Profil zeigt. Und jedes Glied in einer Kette erst ein Ganzes werden lässt! Dankbar bin ich für diese Erfahrung!
   
Brigitte:
Negen dagen op een schip, met mensen die ik niet ken! Ik had niet gedacht, dat ik me zo goed zou voelen, zo ontspannen. Het loslaten van de stress!
Leuke club mensen bij elkaar, zo verschillend, zo verdraagzaam.
Ik heb genoten van
het geluid van de zeilen, het water, de lucht. Het heeft mij van binnen iets nieuws gegeven!
"Nachtwacht" was het mooiste, zo stil, de zon onder de heldere lucht, de zonsopgang heb ik zo nog nooit meegemaakt, met Marjolein als "kapitein", mooi in dat licht...
   
Peter:
Eine Elf-Kopf-Segel-Crew steht in Enkhuizen
und will mit der Skylge nach Kiel rüberdüsen.
Doch sie kommen nicht fort
weil der Wind weht von dort!
Also fahr'n sie duch die Friesischen Wies'n.

Doch das ist nicht einfach so Klasse,
denn plötzlich steht die Nord- Ostsee Barkasse
zwischen Milchkuh und Schaaf
und wendet ganz brav...
Tja, das war wohl eine Sackgasse.

Nach drei Tagen die Nordsee erscheint.
Die Crew vor Glück fast schon weint.
Vorbei sind die Brücken,
wo Paddelboote zerdrücken!
Naja, Fokko hat's nicht so gemeint.

Wind Nordwest. Richtung Ost geht die Reise.
Durch die NordseeNacht segeln wir leise.
Sternschnuppen-Gewimmel...
Auch der Wind läst's Gebimmel.
Bis Brunsbüttel motorlicher Weise.

Der Nord- Ostseekanal ist wirklich geil.
Da bleiben auf alle Fälle die Segel heil.
Die Zeit wird genutzt
und das Deck wird geputzt.
Vom Segeln ist das "Gott sei Dank" nur ein Teil.

Weil der Wind weht sehr günstig aus Osten,
will die Crew noch das Segeln auskosten!
fährt schnurstracks nach Norden,
zu die dänischen Horden!
Einparken üben... ja nur nicht Rosten.

Am letzten Tag die See sich glättet.
D'rauf hätte Fokko bestimmt nicht gewettet.
fährt sicher in'n Hafen
und legt sich dann schlafen.
Hat auch diesmal die Crew vor'm Schlimmen gerettet!!

Zum Schluss möchte ich mich noch bei unseren drei Muskeltieren Tine, Marjolein und Fokko bedanken, die uns sicher und mit viel Freude geleitet haben...es war echt spitze!

Bis zum nächsten mal dann auf der Skylge. Getreu nach deren Motto: Alle Termine absagen......Mitsegeln!

Katharina